Sex: Warum Frauen und Männer fremdgehen

Sex: Warum Frauen und Männer fremdgehen

Bei der Hochzeit schwören sich viele Paare noch die ewige Treue. Doch damit ist es heutzutage oft nicht mehr weit her. Sexuelle Routine und zunehmende Langeweile sorgen dafür, dass mancher es wieder knistern lassen möchte. Wer Sex-Abenteuer nicht in einer „offenen“ Beziehung ausleben kann, geht möglicherweise irgendwann fremd.

Seitensprünge – inzwischen ganz normal?

Fakt ist: Ein Seitensprung wird heute ziemlich leicht gemacht. Es gibt im Internet reichlich Dating-Portale, Begleitservice-Angebote, Callgirls sowie Alibi- und Ausreden-Agenturen. Wer in einer Suchmaschine danach sucht, hat binnen kürzester Zeit eine Seitensprung-Agentur entdeckt. Doch die Frage ist, warum jemand einen Seitensprung wagen möchte. Das Bild, das Du vielleicht im Kopf hast, ist: Männer tun es, um sexuelle Fantasien auszuleben. Frauen suchen nach Romantik. Tatsächlich ist es augenscheinlich anders: Männer suchen beim Fremdgehen nach Bestätigung, Frauen nach gutem Sex.

Die Corona-Pandemie hat das gewohnte Leben lahmgelegt. Homeoffice wurde zum Normalfall. Die Kinder mussten Zuhause unterrichtet werden. Nur die Lust aufs Fremdgehen litt nicht unter der Corona-Pandemie. Im Gegenteil: Sie war nie größer. Mit dem Erreichen familiärer Ziele kehrt oftmals Langeweile ein. Während das Paar in den ersten Jahren noch Ziele wie ein eigenes Haus, Kinder, ein Auto im Kopf hatte, fehlt nun der Kick. Der Sex ist inzwischen Routine geworden. Eine Affäre wäre jetzt sehr reizvoll. Das hat auch die Corona-Pandemie nicht geändert. Ganz im Gegenteil: Nie war die Lust aufs Fremdgehen so groß.

Fremdgeh-Abenteuer in der Corona-Pandemie

Tatsächlich haben viele verheiratete Männer und Frauen die Corona-Zeit für Affären genutzt. Die Studie eines Dating-Portals, auf dem vorzugsweise Verheiratete nach Dating-Partnern suchen, kam zu überraschenden Ergebnissen.

Laut „Ashley Madison“ suchten vor allem Manager und Managerinnen, Krankenschwestern und Ingenieure nach außerehelichem Sex. Sexualtherapeutin Ann-Marlene Henning stellte fest, dass die Motive zum Fremdgehen bei Frauen und Männern überraschen. Nicht die Männer, sondern die Frauen tun es des Sexes wegen. Offensichtich stimmt das Klischee vom triebgesteuerten Mann nicht. Männer suchen in einer außerehelichen Affäre vielmehr nach Anerkennung. Offensichtlich fehlt beiden in der Ehe Elementares. Ann-Marlene Henning sieht aber auch, dass die überkommenen Geschlechterrollen aufgebrochen werden.

Hennig zufolge haben Frauen heute mehr Mut, sich einfach zu nehmen, was sie brauchen. In diesem Fall Sex. Das lässt darauf schließen, dass der Sex in der Ehe nicht befriedigend genug ist – oder nicht häufig genug praktiziert wird. Frauen, die fremdgehen, sind Hennig zufolge in der Ehe frustriert. Das sagen sie ihrem Partner auch. Daraufhin ist dieser frustriert. Er sucht sich vielleicht anderswo Bestätigung und Anerkennung. Ganz ohne Skrupel geschehen Seitensprünge aber wohl nicht. Das schlechte Gewissen müssen Fremdgeher/innen jeder aushalten können.

Als Sexualtherapeutin ermutigt Ann-Marlene Hennig Frauen, zu ihren sexuellen Wünschen zu stehen. Bedingung ist, dass sie ihrem Partner darüber schon vor einer Affäre reinen Wein einschenken.

Fremdgehen – so normal wie ein Spaziergang?

Es ist anscheinend eine Mär, dass nur wenige Ehepartnern fremdgehen. Für viele gehört eine Affäre laut der Umfrage des Dating-Portals für Verheiratete zum Leben. Keine Berufsgruppen, keine Altersgruppen und keine Regionen Deutschlands sind von der Fremdgeherei ausgenommen. Auf dem Lande wie in der Großstadt wird der sexuelle Kick gesucht. Seitensprung-Agenturen haben Hochkonjunktur. Ausgerechnet die Corona-Pandemie hat das Bedürfnis nach Seitensprüngen und außerehelichen Affären gesteigert. Bei „Ashley Madison“ registrierte man zu Beginn der Pandemie 17.000 Neukunden. Das waren 2.000 mehr als sonst.

Ein weiteres Klischee ist, dass Seitensprünge nur angestrebt werden, wenn jemand in seiner Partnerschaft unglücklich sei. Oftmals ist das Beziehungsleben vollkommen normal. Die Ehe verläuft harmonisch. Die Betroffenen möchten sie weder aufgeben, noch verlieren. Einer der Gründe für einen Seitensprung ist, dass der Partner nicht der alleinige Wunsch-Erfüller sein kann. Der Anspruch, eine Ehefrau solle zugleich eine fabelhafte Köchin, eine tolle Mutter, eine begeisterte Gärtnerin, eine anregende Gastgeberin, eine Urlaubs-Agentur und eine unersättliche Nymphe sein, wird heute zunehmend nicht mehr erhoben. Auch vom Ehemann erwarten Frauen nicht mehr den Superman-Nimbus.

In vielen Partnerschaften wird heute sehr offen über Wünsche gesprochen. Das Leben in all seinen Facetten zu erleben, ist den Menschen wichtiger als früher. Viele Paare erlauben sich gelegentliche Seitensprünge. Sie empfinden dabei keine Scham. Oftmals führt das Beichten einer Affäre nicht mehr zur Scheidung. Wesentlich ist aber, so Ann-Marlene Hennig, der gegenseitige Respekt. Wem der Partner wichtiger ist als die Affäre, beendet diese dann auch. Ann-Marlene Hennig weiß, dass ein Seitensprung in den wenigsten Ehen zum Abbruch der Beziehung führt.

Seitensprung und Eifersucht – kein Thema?

Jungen Paaren ist heute bewusster, dass der Lebenspartner nicht alle Wünsche erfüllen kann. Die Ausschließlichkeit, die eheliche Beziehungen früher hatten, wird heute nicht mehr eingefordert. Die eheliche Beziehung wird als Lebenszentrum und Ruhepol verstanden. Das schließt gelegentliche Abenteuer nicht aus. Manche Erlebnisse sucht man eben woanders.

Für Männer war die Unterscheidung zwischen Liebe und Sex schon immer wichtig. Diese Freiheit beanspruchen nun auch die Frauen zunehmend. Weltoffene Paare verständigen sich Sexualtherapeutin Ann-Marlene Hennig zufolge auf einen Umgang miteinander, der funktioniert. Statt einer ehelichen Verbotsmoral erkennt Hennig heute eine Verhandlungsmoral. Interessant sind die Ergebnisse der Umfrage unter 2.100 Paaren von „Ashley Madison“ auch in anderer Hinsicht: Jahrelang verheiratete Frauen gehen demnach öfter fremd als Männer.

Manche der befragten Frauen hatten gleich zwei Affären nebeneinander. Bei den Männern dauerte eine außereheliche Affäre im Schnitt ein Jahr. Dann verlor sie ihren Reiz. Frauen gingen länger fremd. Bei ihnen dauerte es im Schnitt 17 Monate bis zum Ende der Affäre. Männer nutzen dafür den unverbindlichen One-Night-Stand häufiger. Während 21 Prozent der befragten Männer solche kurzen Sex-Abenteuer zugaben, waren es nur 11 Prozent bei den Frauen. Frauen lassen Ann-Marlene Hennig zufolge einen guten Liebhaber nicht gerne gehen.

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Außerdem ergab die Umfrage, dass eine hohe Position auf der Karriereleiter oft zu größerer Toleranz bei den Ehepartnern führt. Manager, Managerinnen und CEOs führten die Liste der Ehebrecher an. Bei den Männern folgten dann Ingenieure. Krankenschwestern, weibliche Pflegekräfte, Sekretärinnen und Assistentinnen der Geschäftsführung sowie Lehrerinnen folgten bei den Frauen als nächstes. Doch der Drang, sich außerehelich zu vergnügen, geht ansonsten quer durch alle Berufsgruppen, Altersgruppen und Wohngegenden.

Die einzige Überraschung: Unter Geschwistern nahm sich das älteste Kind das Recht auf einen Seitensprung. Einzelkinder waren deutlich weniger an Affären interessiert.

Fazit

Nie waren außereheliche Seitensprünge so populär – und konnten sie leichter umgesetzt werden. Die Toleranz dafür ist innerhalb der Beziehung deutlich höher als früher. Es stellt oft keinen Skandal und keinen Scheidungsgrund mehr dar, den Partner zu betrügen. Oftmals weiß der Ehepartner sogar von der Affäre. Er muss diese nicht gutheißen. Doch er akzeptiert eher als früher, dass er nicht der alleinige Wunsch-Erfüller sein kann. Viele junge Paare stehen zu ihrer Beziehung, ohne ihre individuellen Bedürfnisse und Freiheiten zu opfern.

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